Herausgeber


Marina Heilmeyer

mit Beiträgen von Gerd Schurig und Clemens Alexander Wimmer

Format

142 × 185 mm

Seiten

104

vierfarbig
Festeinband
gefärbter Buchschnitt

ISBN

978-3-930752-27-0

Die Buchreihe »Potsdamer Pomologische Geschichten« wurde mit dem Designpreis Brandenburg ausgezeichnet und für den Designpreis Deutschland nominiert.

Vorsatz Eine uralte Frucht

Über das Buch

Die Melonen gehören wie Orangen und Ananas zu den Früchten, die in Mitteleuropa nur mit großem Aufwand an gärtnerischer Kunst zu erzeugen sind. Darum wurden sie seit der Renaissance ein Statussymbol der Fürsten und Herren. Berühmt wurden besonders die Melonen des Jean de La Quintinye, von denen dieser täglich fast hundert an den Hof Ludwigs XIV. in Versailles lieferte.

Wie die meisten deutschen Fürsten eiferte in Potsdam Friedrich II. den französischen Vorbildern nach und richtete bei der Anlage von Sanssouci sogleich auch eine Melonerie ein. Verführerische Melonen zieren auch in vielen Exemplaren die Innendekoration des Schlosses. Mit Hilfe von speziellen Melonen­ kästen und Glasglocken waren Friedrichs Melonengärtner Krutisch und seine Nachfolger bis 1918 bemüht, dem König die besten Früchte zu präsentieren.

Die Melonen der Monarchen erzählt von den Bedürfnissen fürstlicher Tafeln und den Techniken und Sorgen der Gärtner, die sie zu bedienen hatten.

Marina Heilmeyer

Eine uralte Frucht Eine uralte Frucht

Inhalt

Eine uralte Frucht
Ein Marktstand des 16.‑Jahrhunderts
Rezepte
»So muß Fürstenspeise sein«
Gärtners Meisterstück – die Melone
Die Melonen des Sonnenkönigs
Ein lehrreiches Gespräch über Melonenbau
König Friedrich und die Melonen
Potsdamer Melonen im 19.‑Jahrhundert
Das Ende der Melonenkultur
Über die Sorten der Melonen
Literatur

Rezepte / »So muß Fürstenspeise sein« Gärtners Meisterstück – die Melone Die Melonen des Sonnenkönigs

Leseprobe

Wie ein ferner Traum erschienen den Israeliten auf ihrer mü­hevollen Flucht durch eine wasserlose Wü­ste ins gelobte Land die saftigen Melonen und nahrhaften Flaschenkü­rbisse, die so reichlich in Ägypten vorhanden gewesen waren, um Hunger und Durst zu stillen.(4.‐Mose 11,5).

Melonen und Flaschenkü­rbisse, wie sie in der Bibel bei Moses geschildert werden, hatten in Ägypten bereits die Pyramidenbauer in ihren Gärten. Schon 4‐000‐v.‐Chr. wurden hier die im tropischen Afrika heimischen Frü­chte kultiviert. Kaum ein Opfertisch unter den vielen auf den Fresken der pharaonischen Grabbauten dargestellten Szenen, auf dem nicht Melonen und Kü­rbisse gestapelt wären, um den Toten ewige Nahrung im Jenseits zu versprechen.

lBei diesen länglichen grü­nen, gestreiften und gerippten Frü­chten handelt es sich, wie der Berliner Forschungsreisende Georg Schweinfurth 1863–1866 durch Funde bestätigen konnte, um eine besondere Spielart der Melonen, die oft fälschlich als Gurken bezeichnet werden. Ihr botanischer Name ist Cucumis chate Hasselq. Sie sind unter dem Namen Chate‐Melone bekannt und nicht nur die auf altägyptischen Bildern am häufigsten abgebildeten Frü­chte, sondern sind heute noch eine der zur Erfrischung und als Nahrung wichtigen Kulturpflanzen Ägyptens und des Sudan. »Gut und frisch und hat sich heute Nacht gestreckt!« Mit diesem Ruf betonen arabische Frü­chtehändler auf den morgendlichen Märkten die Frische ihrer Chate‐Melonen.

Bei den in der Bibel oder auf den Fresken der Pharaonen‐Zeit neben den Melonen geschilderten Kü­rbissen handelt es sich um die ebenfalls im tropischen Afrika und Asien heimischen Flaschenkü­rbisse oder Kalebassen, deren botanische Bezeichnung Lagenaria vulgaris L. lautet. Seit Menschengedenken gab es keinen Fischer, der sich nicht der ausgehöhlten und getrockneten Frü­chte als Schwimmer fü­r seine Netze bedient hätte, keinen Wanderer, dem sie nicht als Wasser – oder Pilgerflasche genutzt und keinen Koch, der nicht die zarten, jungen Frü­chte, im Geschmack ähnlich den erst im 17.‐Jahrhundert kultivierten Zucchini, geschält, gewü­rzt und gegart gerne aufgetischt hätte. Je länger und dü­nner sie sind, so sagen antike Texte, desto angenehmer sei ihr Geschmack.

Offenbar sind diese im tropischen Afrika und Asien heimischen Frü­chte bereits in präkolumbianischer Zeit von der Ozean‐Drift bis an die Kü­sten Sü­damerikas gespü­lt worden und spielten hier als kü­nstlerisch bearbeitete Gefäße und Behälter eine wichtige Rolle in der Kulturgeschichte.

Vorgeschichtliche Reste von Melonen wurden auch in verschiedenen Teilen Asiens entdeckt, so in steinzeitlichen Fundschichten um 7000‐v.‐Chr. in Thailand, China und Indien, wobei jedoch unklar ist, ob sie von gesammelten Wild‐Melonen oder von bereits angebauten Kulturformen stammen.

König Friedrich und die Melonen